Der Ordnung halber: Aufräumen und Sortieren

Der Ordnung halber: Aufräumen und Sortieren


9 min Lesezeit

Aufräumen, einräumen, wegräumen - Ordnung machen: Spätestens dann, wenn die Kinder orientierungslos inmitten chaotischer Spielzeug-Berge sitzen und die Eltern nur noch mit höchster Vorsicht über das Minenfeld aus Bausteinen, Murmeln, Actionfiguren und der einen oder anderen schlafenden Katze staksen, ist die Zeit dafür gekommen. Aber – don’t panic: Wir erzählen euch hier, wie aus der gern prokrastinierten Pflicht eine willkommene Kür wird.

Wirklich jeder kennt ihn ja, diesen uralten, bärtigen Spruch: „Ordnung ist das halbe Leben.“ Und der ist trotz Gähnfaktors weder öd noch blöd. Denn spätestens, wenn es ans Lernen und Arbeiten geht, bewahren gewisse Strukturen vor Energiefraß und Zeitraub. Und auch im Alltag läuft es leichter – und nervenschonender – ab, zumindest die meisten wichtigen Dinge an ihrem Stammplatz zu wissen. Einen hohen Stellenwert hat das Thema Aufräumen gerade auch im pädagogischen Sinne. Warum das so ist, haben wir mal für euch durchsortiert.

Die unerwartete Leichtigkeit des Aufräumens

Dass Kinder von Natur aus Chaoten sind, gilt als völlig normal. Einen individuellen Ordnungssinn zu entwickeln, geschieht nämlich erst nach und nach – unterstützt von den Eltern und anderen Bezugspersonen. Aufgeräumte Spielsachen (und grundsätzlich: Zimmer) bergen dabei eine Vielzahl an Vorteilen. Und die sind nicht nur den Großen klar, sondern werden auch für Kinder mehr und mehr spürbar: Je ordentlicher alles verstaut wird, desto schneller und einfacher ist das gewünschte Spielzeug beim nächsten Mal auch wieder zur Hand. Langes, nerviges Suchen und der Ärger über unvollständige Spielesets entfallen. Und auch Verschmutzungen oder Beschädigungen werden regelmäßig entdeckt und entfernt oder repariert. Was den Lieblingsdingen wiederum eine längere Lebensdauer bei höherer Spielfreude beschert.

Damit es mit der Ordnung so weit kommt, steht am Anfang aber immer die Vorbild-Funktion – möglichst ohne Grant, übrigens. Denn je eher Kinder mitbekommen, dass Aufräumen für ihre Eltern selbstverständlich und dabei kein Fall für den Krisenstab ist, desto leichter lässt sich auch ihr eigener Aufräum-Modus aktivieren und fördern.

Das gut sortierte Kinderzimmer: Babyschritte, Lob & Hilfe

Ab dem Kleinkind-Alter schon kann der Nachwuchs ohne weiteres ins Aufräumen und Putzen einbezogen werden. Die Sache wird zwar naturgemäß doppelt und dreifach so lange dauern, als ohne die kindliche Hilfe. Aber gerade dieses frühe Einbeziehen und „Machenlassen“ legt den Grundstein für das spätere selbständige Aufräumen. Je älter das Kind wird, desto mehr und mehr eigene Aufgaben im Familienkosmos soll es bekommen und auch wirklich alleine ausführen dürfen. Ein Hit an elterlicher Reaktion ist dabei übrigens das sogenannte beschreibende Lob: Statt eines glückseligen – und viel zu allgemein gehaltenen – „Super!“-Ausrufs etwa: „Für mich sieht es super aus, wie du deine Bilderbücher eingeräumt hast – das ist sehr übersichtlich, finde ich.“ Denn je mehr wir sehen und auch wirklich benennen, was genau das Kind geschafft hat, desto mehr freut es sich über seine erledigte Aufgabe.

Die Basics für mehr Ordnung im Kinderzimmer

  • Reduktion: Allgemein hilfreich ist ein grundsätzliches Weniger an Spielzeug – und das soll dafür qualitativ und ordentlich sein. Es braucht ja nicht gleich der hippe Marie Kondō-Spirit durchs leere Zimmer wehen. Aber die meisten Eltern werden diesen Punkt sicher sofort unterschreiben.

  • Stauraum: Jedes Spielzeug braucht seinen fixen Platz. Ob das behagliche Filzkörbe für die Bioblo-Bauklötze sind, Kisten und Boxen für Krimskrams, geräumige Laden und Regalfächer für Brettspiele und Bücher – oder vom Kind selbstgestaltete Schuhkartons für die (ganz grob geschätzt etwa zwei Millionen) Figürchen und Sammelpuppen. Toll sind auch „Wäscheleinen“ an den Wänden, mit bunten Holzkluppen dran. So können die Kinder jene (ganz grob geschätzt etwa vier Millionen) Bilder, Papierbasteleien und Fotos, die ihnen lieb und teuer sind, jederzeit selbst umarrangieren. Pinnwände und Magnete gehen natürlich auch.

  • Freiraum für die Kunst: Nach Möglichkeit sind definierte Areale großartig, wo ruhig auch mal tage- oder wochenlang etwas stehenbleiben kann. Ein Spielteppich für großflächige Bau-Konstruktionen wie in unserer Fan-Galerie und Figurenwelten etwa. Oder das Fensterbrett als vereinbarte, sichere Abstellfläche für gestapelte, gesteckte und gebaute Kunstwerke, die längere Zeit bewundert werden wollen.

  • Sortieren mit Sinn: Was der Sprössling liebt und oft nutzt, gehört gut sicht- und greifbar in Augenhöhe. Dinge, die nicht oft bespielt werden, dürfen in obere Etagen wandern – und dort schlafen, bis sie wieder interessant sind. Ausgedientes und gar nicht (mehr) benutztes Spielzeug wird aussortiert. Nur was unbedingt für nachkommende Kinder oder aus Nostalgiegründen bleiben muss, wandert auf den Dachboden des Vergessens.

  • Apropos Aussortieren: Es ist wirklich sehr empfehlenswert, Spielzeug gemeinsam mit den Kindern zu sichten und ihrer jeweiligen Bestimmung (behalten, verschenken, entsorgen) zuzuordnen. Denn was für uns sinnlos ist, hat für sie vielleicht emotionalen Wert. Werden die Spielsachen hinter ihrem Rücken weggeschafft, nimmt ihnen das die Mitentscheidungskraft. Und führt nicht selten zu späteren Tränen, wenn unverhoffte Erinnerungen auftauchen – und dann genau dieser Bär („der war doch von der Oma!“) oder genau dieses Auto („das hatte ich immer im Kindergarten mit!“) plötzlich schmerzlich vermisst wird.

Aufräumen mit Kindern: Die tollsten Tipps mit System

  • Für alles seine Zeit: Ordnung ist also absolut in Ordnung. Kreatives Chaos soll aber unbedingt auch sein dürfen. Denn häufig nutzen Kinder verschiedenste Sachen, um sie miteinander zu einem Fantasiespiel oder einer farbenfrohen Welt zu kombinieren. Deshalb am besten fixe und sinnvolle Aufräum-Zeiten definieren – z.B. vor dem Schlafengehen. Für große Bauwerke oder Puzzles lassen sich auch gut eigene „Zerlege-Tage“ einführen, wie etwa jeden Sonntagabend.

  • Chaos eingrenzen: Kinder sind entzückend talentiert, wenn es darum geht, eine Spur an Spielsachen durch den gesamten Wohnraum zu ziehen. Es hilft deshalb tatsächlich, Spielbereiche klar einzugrenzen: Erst den völlig verbastelten Wohnzimmer-Tisch wieder sichtbar machen, dann erst zur Ritterschlacht ins Kinderzimmer aufbrechen. Oder: Im Arbeitszimmer wird regulär nicht gespielt.

  • Step by step: Die elterliche Aufforderung „Räum auf!“ verpufft normalerweise ungehört. Was Sinn macht. Denn für Kinder ist eine so große und generelle Aufgabe noch weniger greifbar als für Erwachsene. Gut ist es deshalb, den Aufräum-Godzilla in kleine Einzelteile zu zerlegen: „Bitte schraub alle Kappen auf die Filzstifte und räum sie in die Lade. Alle Polster gehören auf die Couch zurück. Und die Äste hier. Also, die Äste. Wie wär’s, wenn du sie raus auf die Terrasse bringst?“

  • Musik & Spiele: Ein Hörspiel für die Dauer des Aufräumens oder ein gemeinsames Aufräum-Lied gelten genauso als gängiger Motivationskick wie Spiele mit Ordnungssinn. So à la Zielwerfen verstreuter Bausteine oder Schmutzwäsche in den Korb – oder Aufräumen nach Farben und Formen („zuerst alles einräumen, wo irgendwie Rot dabei ist; dann alle Tiere und alles, was rund ist“). Das schult gleich auch noch die Koordination.

  • Konsequenzen: Wenn-dann-Drohungen und ausgesprochene Belohnungen sind ja bekanntermaßen meist wenig zielführend. Und wenn, dann oft nur für den Moment. Wir mögen deshalb wenn, dann eher Konsequenzen. So in der realistischen Art von: „Wenn wir es mit dem Aufräumen vorm Abendessen nicht schaffen, geht sich heute nur eine kurze Gute-Nacht-Geschichte aus, weil ich dann nachts alleine weiterräumen muss.“ Oder: „Das ist schade, wenn du das hier so lässt, bevor dein Freund kommt. Denn ihr wolltet die Autobahn aufbauen. Das wird dann ja wohl leider nichts.“ Oder: „Wenn du den Uhu nicht zumachst, trocknet er ein und ist nicht mehr zu gebrauchen.“ (Wichtiger Nachsatz: „Und nein, ich kaufe dann nicht einfach morgen einen neuen!“)

  • Geduld: Unser Lieblingswort, ja. Aber hier ist es wirklich so: Je öfters wir Eltern seufzend übernehmen und ratzfatz alles aufräumen, weil der Nachwuchs nicht weitertut – desto länger und lieber wird der sich in seinem Chaos sonnen. Also besser immer wieder durchatmen und das unaufgeräumte Umfeld ein wenig ertragen. Bis der kleine Aufräum-Profi der Zukunft tatsächlich selbst in die Gänge kommt. Was jetzt aber nicht heißt, überhaupt keine Hilfe zu leisten, denn:

  • With a little help: Je jünger die Kinder sind, desto mehr Unterstützung ist angebracht. Und das möglichst ohne Murren, sondern mit Freude, wenn alles wieder ordentlich ist. Besonders schön ist es, das mit vereinten Kräften fertig aufgeräumte Zimmer dann noch mit einer Einheit Kuscheln oder Vorlesen inmitten der himmlischen Ordnung zu würdigen. So verbinden die Kleinen mit dem Aufräumen bald mehr Positives als Lästiges. Die Großen übrigens auch.

Ihr habt weitere Tipps fürs geordnete Chaos daheim? Dann freuen wir uns über euren Kommentar dazu – und sind auch gern im direkten Kontakt ganz Ohr!

Fotos: Bioblo, Shutterstock


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