Wie analog darf Spielzeug in einer digitalen Welt sein?

Wie analog darf Spielzeug in einer digitalen Welt sein?


5 min Lesezeit

Digital vs. analog: Welchen Platz hat analoges Spielzeug in einem zunehmend digitalen Kosmos? Unsere Kinder wachsen als Digital Natives auf – und erleben multitaskingfähige Smartphones, auskunftsfreudige Alexas und virtuelle Spielfiguren als Selbstverständlichkeit. Wir haben uns gefragt, ob das eigentlich gut oder schlecht ist. Oder beides.

Der smarte Roboterhund folgt brav den euphorisch ausgerufenen Befehlen. Die eben erst aus ihrem Ei geschälte Spielfigur lädt gleich mal in ihre Augmented Reality (AR) am Handy ein. Und das zusammengebaute Modell-Auto ist perfekt mit seinen Brüdern auf der ganzen Welt vernetzt. Während unsere eigene hochtechnische Kindheitserinnerung meist bei plappernder Puppe, elektrischer Eisenbahn und schwarz-rotem Joystick endet, wachsen die heutigen Kinder inmitten umfassender Digitalisierung auf. Die wir uns nicht mal im Beisein unserer flimmernden Helden von Captain Kirk bis Marty McFly hätten träumen lassen. Die Frage, die uns nun beschäftigt: Verliert der virtuell umgarnte Nachwuchs jetzt den Anschluss an analog beflügelte Kreativität, Fantasie und soziales Miteinander?

Die erleichternde – und irgendwie auch logische – Antwort: Nein, natürlich nicht. Denn aktuelle Spieletrends und gängige Expertenmeinungen geben unseren eigenen elterlichen Beobachtungen glücklicherweise recht: Die Mischung macht’s.

Analoges Spielzeug & digitale Welten: Dreamteam im Rahmen

Computerspiele, Lern-Apps und Co. sind nicht der Feind von analogem Spielzeug – und umgekehrt. Viel eher werden unterschiedliche Fähigkeiten und Kenntnisse gefördert. Oder auch dieselben Sinne unterschiedlich angesprochen. Es ist daher kein Widerspruch, zuerst konzentriert eine kreative Spielstadt aus Bausteinen (bioblobische Inspirationen dafür gibt's bei Bedarf hier!) zu gestalten – und danach ein paar mittels App und QR-Code zum virtuellen Leben erweckte Plastiktierchen da drin auf Reisen gehen zu lassen. Denn die physischen Spielsachen unterstützen das freie Spiel – und schulen die Feinmotorik und das statische Denken. Beim Eintritt in die AR wiederum sind die Auge-Hand-Koordination genauso wie Reaktionsfähigkeiten gefragt. Dazu ist die Dokumentation via Digi-Schappschuss – und dessen Weiterbearbeitung – möglich. Und das wiederum erfordert Sachkompetenz. In Summe klingt das alles somit nicht nach den übelsten Learnings der Welt.

Abseits aller Fachexpertise und Forschung liegt vor allem eins auf der Hand: Die Kinder, die heute mit immer neuer Technik auf- und mitwachsen, analysieren ihr Spielzeug weniger nach "Team Analog" oder "Team Digital". Sondern haben den Fokus auf dem Spaß, den sie jeweils damit haben. Sie lieben ihr stummes Stofftier nicht weniger, nur weil ihr Lernspiel sich mit ihnen lebhaft über Zahlen, Buchstaben und Gemüsesorten austauscht. Und sie sind genauso stolz auf ihren ersten erkletterten Baum wie aufs nächste Level des Computerspiels.

Smart, aber herzlich: Auf Entdeckungsreise mit den kleinen Digital Natives
Damit sich die Kinder nicht nur smart, sondern auch sicher bewegen, bedarf es natürlich der elterlichen Unterstützung. Weniger im Spiel selbst – da sind sie uns nämlich dank Intuition, Neugier, Schnelligkeit und Entdeckergeist meist sowieso voraus. Jedoch einerseits, wenn es um den Rahmen ihres Eintritts ins digitale Universum geht: Interaktive Sicherheit, Schutz vor nicht altersgerechten Inhalten sowie Datenschutz gehen klar auf die Kappe der Großen. Andererseits müssen die sprechenden, denkenden, singenden, laufenden und höchst motivierenden Bilder aus Handy, Tablet und Co. entsprechend oft und lange Pause machen. Denn zu viel digitale Screen-Aktivität genauso wie zu lange passive Bildschirmzeit bringen jeden noch so positiven Effekt ins Kippen. Und provozieren stattdessen Unkonzentriertheit, Nervosität, Übergewicht oder Alpträume. Nicht umsonst gibt es bereits ab der Kindergarten-Stufe Angebote zu Medien- bzw. Digitalkompetenz. Und die sollen nicht zuletzt wichtige Grundsteine für ein digitalsuchtfreies Leben legen.

Fantastische Spielideen: Wie wir digitale Welten ins Analoge übersetzen

Auch im erfreulichen Fall einer guten Balance zwischen digitalem und physischem Spielen hat uns die folgende Idee vom Medienkindergarten Wien extrem angesprochen. Das Medienkompetenz-Zentrum schlägt vor, mit Kindern ab 4 Jahren doch mal digitale Lieblingsspiele – wie Lern- oder Computerspiele – in die analoge Welt zu übersetzen. Damit wird etwas Digitales, das die Kleinen begeistert, gemeinsam in etwas Greifbares und physisch Erlebbares (zum Beispiel: Bauklötze) umgewandelt. Was zahlreiche Kompetenzen fördert: kognitive, kreative, sprachliche und motorische, zum Beispiel. Wie das geht? Zuerst kommen die Überlegungen, wie viel Platz, welches Material und welche sonstigen Komponenten benötigt werden. Dann wird das solcherart gemeinschaftlich geplante Analog-Spiegelbild des Games oder der App erschaffen. Und danach bleibt am besten auch Raum für Reflexion: Was ist analog leichter, was digital? Welche Unterschiede gibt es zwischen den beiden Spielvarianten? Was gefällt grundsätzlich besser – und warum?

So wird Schritt für Schritt aus dem digitalen Jump-and-Run-Game ein physischer Hindernisparcours mit Schatzsuche. Oder aus der interaktiven Lern-App ein selbsterfundenes Quiz aus Rätselraten, Malen und Pantomime. Und wie wir so sind, haben wir das natürlich gleich zuhause ausprobiert. Mithilfe vieler Bausteine - wie ihr sie übrigens in unserem Bioblo-Webshop zuhauf findet - sowie Plüschtieren und Spielfiguren haben wir eine TV-Elfenwelt ins Spielzimmer transferiert. Die Kinder verkleideten sich sogar ein bisschen. Die langweiligen Großen nicht. Wie in der Story, die wir als Serie, gestreamt als Hörspiel sowie als Game am Handy verfolgen (müssen), stand im Fokus des folgenden Rollenspiels dann eine Schnitzeljagd. Und um an die Diamanten zu kommen, mussten wir gemeinsam das Bioblo-Gebirge zu Fall bringen. Das wir bei der Spielvorbereitung um die Kieselsteine ergo Diamanten herumgebaut hatten. Fazit: Echten Elfen ist echt nichts zu schwer. Und alle haben gewonnen.

Wie steht ihr zu der analog-digitalen Spielzeugwelt von heute? Und habt ihr auch mal schon digitale Spielwelten ins Analoge übersetzt? Antwortet uns gerne direkt – oder lasst uns gleich hier euren Kommentar da!

Fotos: Bioblo, Shutterstock


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